Wenn Ihr einen alten Freund habt, vielleicht sogar einen Eurer besten, bei dem ihr Euch schon die ganze Zeit melden wollt... schiebt es nicht länger auf!
Ich habe heute etwas sehr trauriges erfahren, was ich allerdings schon geahnt habe:
Einer meiner besten Freunde hat sich umgebracht. Und zwar schon am 6. Oktober 2004. Bis heute morgen hab ich mich noch drauf gefreut, ihm bald mal meine Tochter vorzustellen.
Aber da er auf meine gelegentlichen zaghaften Kontaktaufnahmen nicht reagiert hat... hatte ich wie gesagt schon diese Ahnung.
Der Witz ist: Man müsste jetzt meinen, es hätte sich dabei um eine oberflächliche Freundschaft gehandelt. Das ist aber nicht der Fall. Es war einer meiner besten Freunde. Jemand mit dem man sogar üblicherweise nur jedes halbe Jahr Kontakt hat, sich dann aber so gut versteht, als hätte man sich gestern erst gesehen. Ein sehr guter und intensiver Freund war er für mich. Einer der wenigen Menschen, die mich auf einer ganz tiefen Ebene verstehen.

Er hat dieses Ende nicht verdient und ich bin sehr unglücklich, dass er nicht den Mut hatte, weiter durchzuhalten, bis sein Leben endlich gut wird.
Erst jetzt, wo ich selbst mal erlebe, wie schlimm es ist, wenn sich jemand umbringt, den man lieb hat, hab ich ne Ahnung davon, was ich mit meinen eigenen Suizidgedanken und -versuchen bei meinem Umfeld angerichtet habe. Das tut mir leid. Und ich glaub, wenn er gewußt hätte, was er mir bedeutet, wie schlecht es seiner Familie geht, seit er sich das Leben genommen hat... er hätte uns das niemals angetan!
Ich schäme mich echt sehr dafür, dass ich mich nicht mit aller Vehemenz darum gekümmert habe, mehr Kontakt mit ihm zu haben. Ich mach mir Vorwürfe deswegen. Ich weiß, ich bin nicht verantwortlich und dass ich ihn vermutlich von nichts hätte abbringen können... aber trotzdem. Vielleicht hätte ich doch den entscheidenen Tipp für ihn gehabt, wo er Hilfe findet, vielleicht hätte es ihm geholfen, dass er weiß, dass andere genauso verzweifelt sind wie er, vielleicht hätte ich ihn auf andere Gedankenpfade bringen können, die eben nicht in so eine Ausweglosigkeit führen... wer weiß, wer weiß.
Und ich hätte ihn gerne noch mal gesprochen, in meiner Nähe gehabt, mit ihm gelacht usw.
Ich bin allerdings andererseits sehr froh, dass ich es erst jetzt erfahren habe. Derzeit passiert in meinem Leben einfach eh schon viel zu viel, aber ich bin halbwegs stabil und komme klar. Das war 2004 nicht der Fall. Hätte ich es also zeitnah erfahren, ich hätte es absolut nicht verkraftet. Zu der Zeit war ich dabei, mich von meiner eigenen suizidalen Persönlichkeit zu verabschieden, mich selbst stark genug für das zu machen, was ich nun habe: Meine Tochter Janis. Dank Ihr weiß ich heute wie kostbar und schön das Leben ist. Seit es sie gibt, seh ich, was ich an dieser Welt liebe, weil ich es ihr zeigen will. Ich wünschte, dass er hätte sowas auch noch erleben dürfen.

Für mich bleibt dieser Freund der, der er war. Er bleibt der, den ich kannte und für mich bleibt er auch lebendig. Ich behalt ihn bei mir, wie die ganze Zeit schon, als wir jetzt keinen Kontakt hatten. Das heißt nicht, dass ich die Augen vor der Realität verschließe. Ich weiß, er ist leider weg, für immer weg. Aber ich kann trotzdem weiter mit ihm reden und ich muss und möchte das auch. Weil ich ihm so doch noch etwas im Leben halten kann.
Außerdem hab ich die ganze Zeit, als ich nur diese schlimme Ahnung hatte, immer mit ihm geredet. Warum sollte ich jetzt damit aufhören?